Die Usedomer Malerkolonie

Die Usedomer Malerkolonie war keine fest organisierte Gruppe, sondern ein Kreis von Künstlern, die auf Usedom lebten und arbeiteten, miteinander befreundet waren und sich gegenseitig beeinflussten. Sie entstand ab den 1930er Jahren und wurde vor allem durch Otto Niemeyer-Holstein, Otto Manigk, Herbert Wegehaupt und Karen Schacht geprägt. Otto Niemeyer-Holstein lebte auf seinem Anwesen „Lüttenort“ und malte besonders das Meer, die Küste und die Landschaft Usedoms, aber auch Porträts, Stillleben und seinen Garten. Otto Manigk lebte in Ückeritz und beschäftigte sich ebenfalls mit der Insel, dem Meer, Fischern und dem Strandleben sowie mit Menschen und Stillleben. Seine Malerei war meist farbenreich und realitätsnah. Karen Schacht malte vor allem ruhige und häufig menschenleere Landschaften mit Wäldern, Feldern, Bauernhöfen und Fischerhütten. Herbert Wegehaupt beschäftigte sich ebenfalls mit der Landschaft und dem Leben der Fischer und war später zusätzlich als Kunstprofessor an der Universität Greifswald tätig.

Später kamen weitere Künstler wie Rosa Kühn, Vera Kopetz, Susanne Kandt-Horn und Manfred Kandt hinzu. Dadurch wurde die Künstlergemeinschaft über mehrere Generationen weitergeführt. Zur nächsten Generation gehörten unter anderem Oskar Manigk, der Sohn von Otto Manigk, und Matthias Wegehaupt, der Sohn von Herbert Wegehaupt. Sie entwickelten die Kunst der Gruppe weiter und arbeiteten zunehmend moderner und experimenteller. Oskar Manigk entfernte sich beispielsweise von der klassischen Landschaftsmalerei und arbeitete mit abstrakter Malerei, Collagen, Karikaturen und anderen Techniken. Matthias Wegehaupt stellte Menschen und Landschaften dagegen immer stärker vereinfacht und zeichenhaft dar. Zur jüngeren Generation gehören Sabine Curio und Volker Köpp. Curio malt bis heute unter anderem Landschaften und Stillleben und knüpft damit an die ältere Tradition der Gruppe an. Köpp beschäftigt sich besonders mit der Architektur und den Veränderungen Usedoms und setzte sich in seinen Bildern auch kritisch mit dem Leben in der DDR auseinander. Insgesamt verbindet die Künstler der Usedomer Künstlerkolonie vor allem ihre enge Beziehung zur Insel, ihrer Landschaft und ihren Bewohnern, auch wenn jede Generation ihren eigenen Stil und neue künstlerische Ausdrucksformen entwickelte.